Glück hat der deutsche Zeitungsleser,
denn er kann auswählen aus einem einzigartigen Angebot an
anspruchsvollen Tages- und Wochenzeitungen jeder politischer Couleur.
Doch so stark und vielfältig die deutsche Zeitungslandschaft auch
ist, so offensichtlich sind ihre Schwächen. Besonders auffällig
treten sie zutage, wenn ein bestimmtes Thema für bundesweite
Aufregung sorgt und eine regelrechte publizistische Hysterie auslöst.
In solchen Zeiten tut ein kühler,
nüchterner Blick auf die Dinge not. Genau dies ist der Moment, sich
der Neuen Zürcher Zeitung zuzuwenden. Diese in der Schweiz
erscheinende, deutschsprachige Zeitung ist sehr international ausgerichtet, berichtet aber auch regelmäßig und ausführlich aus Deutschland. Der spezielle
Blick, der der NZZ eigen ist, zeichnet sich durch eine
kritisch-liberale Haltung gegenüber dem großen Nachbar aus. Auch in
Fragen internationaler Politik verfolgt die NZZ eine gemäßigte,
ausgewogene Berichterstattung.
Eine echte Perle ist das Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung. Insbesondere Samstags, ergänzt durch das Ressort Literatur und Kunst, liefert es eine fundierte, stets relevante Kulturberichterstattung aus Deutschland, Europa und der Welt. Wohltuend hebt sich dabei das NZZ-Feuilleton, vor allem stilistisch, von den deutschen Redaktionen ab. Keinen Platz hat hier der im deutschen Feuilleton mittlerweile so verbreitete, flapsige Erlebnisbericht-Ton. Die auf solider Recherche basierende, gediegene Essayistik der NZZ sorgt dafür, dass man zumindest den Samstag gerne dieser Zeitung anvertraut.